Musikalische Dokumentation

Augustinus Franz Kropfreiter

Konzert-Gespräch-Ausstellung

Wien 1999, 60S., Ill., Notenbeisp.

 

Inhalt:

Seite:

   

Augustinus Franz Kropfreiter: Ich über mich. Ein Monolog

7

Herbert Vogg: Ein wenig über Augustinus Franz Kropfreiter

11

Kurt Neuhauser: Laudatio für Augustinus Franz Kropfreiter

16

Augustinus Franz Kropfreiter - Werkverzeichnis

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Literatur von und über Augustinus Franz Kropfreiter

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Werke von Augustinus Franz Kropfreiter auf Tonträgern

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Die Ausstellung [Bearbeitung Liselotte Theiner]

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Selbstdarstellung:

Und es begab sich...
Geboren wurde ich also am 9. September 1936 in Hargelsberg, unweit von St. Florian. Mein Vater war dort Tischlermeister, spielte in der örtlichen Blasmusik Klarinette und am Kirchenchor Violine. Meine Mutter hingegen besorgte den Haushalt. Das war bei neun Kindern und den Arbeitern in der Tischlerei, die auch mitversorgt wurden, keine Kleinigkeit!
So verlief meine Kindheit völlig normal. Auffallend war allerdings, daß ich wenig in des Vaters Werkstatt, dafür an Mutters Herd zu finden war und sehr häufig im Garten. Das Verhältnis zur Mama war sehr eng (bis zum heutigen Tag), das zum Vater anderer Art: ich schätzte ihn sehr und hatte wiederholt Angst, daß ihm etwas zustoßen könnte. Meine Schwester Pepi (Josefa Ottensamer), Mutter von Ernst Ottensamer (Soloklarinettist der Wr. Philharmoniker) und mein Bruder Hansl hatten damals bereits Klavierunterricht, also galt es auch für mich: ran an den Feind! Üben war meine Sache nicht. Das hatte auf später Zeit! Wiederholt schwänzte ich meine Klavierstunden und verbrachte diese Zeit vor dem Schaufenster eines Blumenladens. Meine erste Bekanntschaft mit „Exoten". Die erste Liebeserklärung an Pflanzen und Blumen - so blieb es bis heute!
Zu meinem Geburtsort Hargelsberg, speziell zu meinem Elternhaus, habe ich nach wie vor engen Kontakt. Mein Bruder Hans leitet dort seit 30 Jahren den Kirchenchor: genug zu bereden! Küche und Garten meiner lieben Schwägerin Wetti sind immer ein Anziehungspunkt für mich! Auch die häufige Anwesenheit meiner Nichte Silvia Kropfreiter ist höchst anregend! Silvia lebt in Wien, sie ist eine höchst originäre Malerin mit metaphysischem Gespür. Zweifellos wird ihre Zeit noch kommen. Sehr bekannt sind bereits ihre Glasfenster. 1948 kam ich ins Bischöfliche Privatgymnasium Kollegium Petrinum (Linz). Meine schulischen Erfolge waren sehr unterschiedlich: in Zeichnen, Schönschreiben, Aufsätzen (Alois Brandstetter und Johannes Lachinger waren Jahrgangskollegen!!) und natürlich in Musik hatte ich „Primus"-Qualitäten! 1950 wurde Hermann Kronsteiner Musikprofessor unserer Klasse. Das weckte schlagartig meinen Ehrgeiz: also - auch komponieren! Meine ersten „Kompositionen" stammen aus dieser Zeit. In Mathematik, Latein und Griechisch waren meine Leistungen derart unterschiedlich, daß ich nicht mehr im Petrinum bleiben wollte. Der Abgang war für mich (nicht für die Professoren) ein klarer Fall.
1953 trat ich in das Augustiner-Chorherrenstift St. Florian als Laienbruder ein (heutiger Status: Chorfrater, ergo nicht sacerdos). Den Verlockungen von Frau „Musika" erlag ich nun vollends. Johann Krichbaum, damals Stiftsorganist, war mein erster Theorielehrer (sehr streng!). Meinen Eintritt in das Stift habe ich niemals ernstlich bereut. In geistlichem Gemäuer, unter einem Dach mit Anton Bruckner zu leben, war mir immer Ansporn und heilige Verpflichtung. Mein Wirken und Schaffen war allzeit in Gottes Hand. So gesehen erhält das SDG (Soli Deo Gloria - allein Gott zur Ehre), das am Ende jedes meiner Werke - obgeistlich oder weltlich - steht, seine tiefere Bedeutung.
1955/56: Brucknerkonservatorium Linz (Helmut Eder).
Einmalig ist wohl allerdings, daß ich ab 1954 von Professor Walter Pach Orgelunterricht bekam. Er ist somit mein einziger Orgellehrer.
1956 Akademie für Musik und darstellende Kunst Wien. Als herausragende Professoren muß ich unbedingt erwähnen: Walter Pach (Orgel), Dr. Franz Kosch (gregorianischer Choral), Dr. Hans Gillesberger, "Gilles" genannt (Dirigieren), Dr. Ernst Tittel (Komposition). Tiefste Kenntnisse und Erkenntnisse (sie öffnete mit die Augen) schöpfte ich im Unterricht von Professor Hilde Seidlhofer. Höchste Wertschätzung - auch ganz allgemeiner Art - nahmen damals den Anfang, so ist es bis heute geblieben. Ausdrücklicher Erwähnung bedarf auch meine Beziehung zu Anton Heiller. Ich war zwar nie sein Schüler. Er wurde aber mein kompositorischer Berater; auch nur kleinste Hinweise
waren mir Gebot. Tiefste Verehrung und edelste Freundschaft bis zu seinem allzufrühen Tod ergaben sich daraus. Besonderer Hinweise auf das nun Folgende bedarf es nicht mehr, ich kann es als weitgehend bekannt voraussetzen.
1960 als bester Absolvent meines Jahrganges: Abgangspreis des Unterrichtsministeriums; in diesem Jahr wurde ich auch Stiftsorganist und somit einer der Nachfolger Anton Bruck-ners. Lehrtätigkeit bei den Florianer Sängerknaben. 1965 Regens Chori (Leiter des Stiftschores).
Die durch drei Jahrzehnte intensive Konzerttätigkeit (Europa, Japan und Südamerika) habe ich zugunsten des Komponierens nach und nach fast eingestellt, nicht allerdings die Improvisation: sie ist mir wertvollster Lebensquell und vielfach Inspiration für manche Komposition. Die Palette meines Schaffens wurde immer variabler: außer Oper und Ballett umfaßt sie sämtliche Gattungen. Fast fünf Jahrzehnte lebe ich nun im Stift St. Florian mit seiner unvergleichlichen Atmosphäre. Anregung und Inspirationsquelle, die unaufhörlich sprudelt! Diese lange Zeit brachte es mit sich, daß ich vielen bedeutenden Persönlichkeiten auf den Gebieten der Kunst und des Geisteswesens nähertreten durfte. Ausdrücklich erwähnen möchte ich meine enge Freundschaft mit Eugen Jochum. Daß er darüber hinaus immer meine Meinung über Brucknerinterpretation zu erfahren wünschte, gereicht mir zu größter Auszeichnung. Von Dr. Leopold Nowak konnte ich manche Aufschlüsse über die Arbeitsweise von Anton Bruckner aus berufener Hand erfahren. Nach einer Aufführung der e-Moll-Messe von Bruckner sagte er zu mir die denkwürdigen Worte: "Gratulieren tu ich nicht. Das war nicht nur eine sehr beachtliche Aufführung, es war vielmehr ein Gebet." Nicht hinzuzufügende Erwähnung, sondern Herzenssache bedeutet für mich Hilde Seidlhofer! Sie war meine Klavierlehrerin an der Akademie in Wien. Darüber hinaus war sie eine exzellente Pädagogin in verschiedenen Kunstbereichen. Selbst früher ausgezeichnete Organistin, verstand sie es, den betreffenden Schüler vom Klavier zur Orgel zu führen. Als selbst Vielgereister verdanke ich ihr wertvollste Hinweise für meine Reisen in Nah und Fern. Vieles wäre noch erwähnenswert. Geblieben ist bis heute eine beglückende Mutter-Sohn-Beziehung. SDG